5 Jahre Erfahrung in einer unfall- und gelenkchirurgischen Praxis

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DVT


5 Jahre Erfahrung in einer unfall– und gelenkchirurgischen Praxis


Erschienen in: CHIRURGISCHE ALLGEMEINE, September 2018 – Download (PDF)


Priv.-Doz. Dr. J. Petermann  – Main Medical Clinic GmbH


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DVT-Aufnahme rechtes Kniegelenk in 0,25mm Schichten, dreidimensionale Rekonstruktion unter Belastung als Arthrographie

Der Einsatz der DVT-Technologie hat sich in der Praxis sehr bewährt und ist ein unverzichtbares, weiteres diagnostisches Verfahren geworden. Das medizinische Assistenzpersonal kommt mit der Handhabung bestens aus, der Patient erfährt die maximale Strahlenhygiene ohne komplizierte Lagerungen. Der Arzt erhält eine hoch genaue und sehr schnelle Bildgebung ohne Verzögerungen im Praxisablauf, die durch den Orthopäden oder Chirurg im Rahmen der erworbenen Teilgebietsradiologie eigenständig durchgeführt werden kann.


Dienstag, 17.09.2018

Die Main-Medical-Clinic in Großwallstadt ist eine überregional, als unfall- und gelenkchirurgisch tätige Institution bekannt. Die hohe Qualität in der Patientenversorgung ist durch die Jahrzehnte lange Erfahrungen des leitenden Arztes Priv.-Doz. Dr. med. Joerg Petermann, in Kombination mit seinem großen wissenschaftlichen und sportärztlichen Engagement sowie der Anwendung hochpräziser innovativer Diagnostik sichergestellt. In der Main-Medical-Clinic betreibt er seine unfall- und gelenkchirurgische Praxis.

Vor 5 Jahren entschied sich Priv.-Doz. Dr. med. Joerg Petermann aus dieser Motivation heraus, den digitalen Volumentomographen SCS MedSeries H22 (Fa. SCS GmbH) in seine Praxis aufzunehmen. Bereits zu diesem Zeitpunkt war das Gerät die neueste und innovativste technologische Entwicklung, welche für die Orthopädie und Chirurgie verfügbar ist. Die digitale Volumentomographie der SCS MedSeries Klasse ist eine 3D-Schnittbildgebung, die ein dreidimensionales Strahlenbündel und einen Flachdetektor verwendet. Die Drehung der Röntgenquelle und des Detektors erfolgt auf einer kreisförmigen Bahn um das zu untersuchende Volumen. Daraus wird eine Serie von 2D-Aufnahmen erstellt, aus welchen anschließend, durch die Verwendung eines intelligenten Rekonstruktionsalgorithmus, das 3D-Volumen in Form zusammengesetzter isotroper Voxel berechnet wird.

Der in diesem Erfahrungsbericht eingesetzte digitale Volumentomograph (DVT) fertigt ultrahochauflösende, nahezu artefaktfreie 3-dimensionale Röntgenaufnahmen der Extremitäten an.

Die Aufnahmezeit beträgt nur wenige Sekunden, bei gleichzeitig für den Patienten sehr angenehmer Lagerung. Der DVT ist mit einer isotropen Auflösung von 200 μm in der Lage, feinste Strukturen in der zu untersuchenden Körperregion, wahlweise im ent- oder belasteten Zustand, abzubilden. Das System verfügt über einen ultrahochauflösenden Flachdetektor, einen hochentwickelten Rekonstruktionsalgorythmus, eine spezifisch programmierte Steuerung der Röntgenquelle sowie einen einzigartigen DVT-Aufbau. Aus diesen Besonderheiten resultiert die erforderliche diagnostische Sicherheit für den behandelnden Arzt und den Patienten gleichermaßen vor dem zusätzlichen Hintergrund höchst möglicher Strahlenhygiene- [1]. Zudem kann der behandelnde Arzt, neben der intensiven Betreuung des Patienten, die für die Einleitung der Therapieplanung erforderliche und unmittelbar verfügbare Diagnostik aus einer Hand, im Rahmen der Teilgebietsradiologie-Anforderungen mit vorhandener DVT Fachkunde, durchführen. Alle genannten Eigenschaften des DVT, vor dem Hintergrund einer um mindestens 50% verringerten Strahlenbelastung im Vergleich zur klassischen Computertomographie [2, 3, 4] bei mindestens gleicher Bildqualität, erklären die Einzigartigkeit dieses Diagnostiksystems. Sie gewährleisten die Einhaltung der in §6 Abs. 2 der Strahlenschutzverordnung geforderten maximal möglichen Reduktion der Strahlenexposition analog dem ALARA Prinzip (ALARA: Englisch für so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar). Die zahlreichen Einsatzmöglichkeiten erstrecken sich bspw. von der Diagnostik freier Gelenkkörper und Früharthritis sowie feinster Usuren der Grenzlamellen der kleinen Finger und Zehengelenke, Lagekontrolle von Implantaten, Durchbauungskontrollen, Arthrographien, Abklärung von Stressfrakturen bis hin zur Planung von Korrekturosteotomien.

Durch die dreidimensionale Darstellung sind komplexe Fragestellungen sicher zu beantworten

Das primäre Ziel dieses Erfahrungsberichtes ist die Beurteilung und Darstellung der diagnostischen Aussagekraft sowie Anwendbarkeit des DVT als 3D Schnittbildgebung in der Extremitatendiagnostik mit Ihren multiplanaren Rekonstruktionsebenen im unfall- und gelenkchirurgischen Praxisalltag, bezogen auf einen Zeitraum von 5 Jahren und 1500 Anwendungsfällen.

Als einer der Erstanwender brachte ich diese Technik in meiner unfall- und gelenkchirurgischen Praxis zum Einsatz. Seit Juli 2013 habe ich über 1500 Untersuchungen vorgenommen. Die Indikationen waren u. a. neben der Primärdiagnostik (Frakturdiagnostik, Gelenkstatus) Verlaufskontrollen für die Beurteilung von Frakturdurchbauungen, Osteosynthesekontrollen und Planungen chirurgischer / orthopädischer Inventionen (z. B. Kreuzbandrevisionen). Belastungsaufnahmen im Stand ermöglichen die exakte funktionelle Beurteilung eines Gelenkes, z. B. das Patella tracking beim Kniegelenk. Liegen z. B. Metallartefakt-bedingte Beurteilungseinschränkung in der Magnetresonanztomographie (MRT) vor, so kann durch den Einsatz der Arthrographie in Verbindung mit der DVT-Technologie eine vergleichbare Bildgebung auch für die Weichteilstrukturen erzielt werden, die eine nahezu artefakt-freie, sichere Beurteilung zulässt.

Durch die dreidimensionale Darstellung sind komplexe Fragestellungen sicher zu beantworten. Zusätzliche Projektion wie in der „konventionellen Radiologie“, z. B. für Os scaphoid – oder Radiusköpfchenfrakturen, werden überflüssig, Fehleinstellungen vermieden. In Verbindung mit Belastungsaufnahmen und Arthrographie können selbst schwierigste Fragestellung sicher beantwortet werden. Durch die hochauflösende Bildgebung von bis zu 200 µm in Kombination mit einer resultierenden Dosis analog der täglichen terrestrischen Strahlungsdosis wurde eine Referenzklasse für die 3D Diagnostik geschaffen, die durch multiplanare Rekonstruktionsebenen sowie eine nahezu artefaktfreie Abbildung der Extremitäten neue Maßstäbe definiert.

Der Einsatz der DVT-Technologie hat sich in der Praxis sehr bewährt und ist ein unverzichtbares, weiteres diagnostisches Verfahren geworden. Das medizinische Assistenzpersonal kommt mit der Handhabung bestens aus, der Patient erfährt die maximale Strahlenhygiene ohne komplizierte Lagerungen. Der Arzt erhält eine hoch genaue und sehr schnelle Bildgebung ohne Verzögerungen im Praxisablauf, die durch den Orthopäden oder Chirurg im Rahmen der erworbenen Teilgebietsradiologie eigenständig durchgeführt werden kann.



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DVT-Aufnahme rechtes Kniegelenk in 0,25mm Schichten, dreidimensionale Rekonstruktion unter Belastung als Arthrographie (rechtfertigende Indikation: Verdacht auf freie Gelenkkörper): Keine Achsfehlstellung unter Belastung, sehr gute Kontrastierung, Zustand nach Innenmeniskusteilresektion mit subtotaler Resektion im Hinterhornbereich und der pars intermedia, in der pars intermedia fast aufgehobene Pufferfunktion, dorsal stellt sich noch ein ausreichender Rest dar, Außenmeniskus unauffällig, VKB und HKB regelrecht, im oberen Recessus wulstförmige Weichteilformation, ausgedehnte Kapselerweiterung wie nach rezidivierenden Ergüssen, 11 x 4 mm lange zottenförmige Formation am Hoffaschen Fettkörper in die intercondyläre Grube reichend, regelrechte Patellastellung, keine patellofemorale Dysplasie, durchgängiger Knorpelüberzug



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DVT-Aufnahme rechter Ellenbogen in 0,2 mm Schichten und 3-dimensionaler Rekonstruktion (rechtfertigende Indikation, Verdacht auf freie Gelenkkörper): Drei freie Gelenkkörper in der Fossa olecrani, Defekt in der Gelenkfläche des Capitulums, multiple Randzackenbildungen, Unebenheiten in der Gelenkfläche des Olecranons, leichte Inkongruenz in der ulnoradialen Gelenkfläche, Bild einer posttraumatischen Arthrose

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DVT-Aufnahme rechtes Handgelenk in 0,25 mm Schichten und dreidimensionaler Rekonstruktion (rechtfertigende Indikation: Gelenkstatus): Keine sicheren Zeichen für eine frische oder eine abgelaufene knöcherne Verletzung, der radiocarpale Gelenkspalt ist nahezu aufgehoben, ausgeprägte Vergrößerung des SL Gelenkspaltes, partielle Nekrose des Os lunatum, Dislokation nach palmar, proximalisiertes Os capitatum, kleine Ossikel streckseitig am Os lunatum, multiple Knochenzysten in Handwurzelknochen, SNAC Wrist Grad III, keine knöcherne Einengung des Carpaltunnels

 

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DVT-Aufnahme als Arthrographie in 0,25 mm Schichten und dreidimensionaler Rekonstruktion (rechtfertigende Indikation, MRT nicht möglich bei abgebrochenem Schraubendreher, Verdacht auf Innenmeniskuskorbhenkelschaden): Innenmeniskuskorbhenkelschaden, z. n. VKD Ersatz und Re-Ersatz, abgebrochener Schraubendreher im femoralen Kanal, regelrechte Bohrkanallage, kleines Knorpelulcus laterale Femurrolle, keine höhergradige Chondropathie [5]

 

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DVT-Aufnahme als Arthrographie in 0,25 mm Schichten und dreidimensionaler Rekonstruktion (rechtfertigende Indikation: V. a. Chondromatose, als Studie): Multiple freie Gelenkkörper im vorderen Kompartiment wie bei einer Chondromatose, zusätzlich als Hinweis auf einen vermehrten Umbauprozess Tibiavorderkantenosteophyt, dorsal nur vereinzelt Ossifikationen nachweisbar, die meist nicht vollständig umspült sind und teilweise adhärent an der dorsalen Kapsel erscheinen, der Knorpelbelag des Talus und der distalen Tibia erschein noch nicht wirklich alteriert, kein Kontrastmittelübertritt in die Syndesmose



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DVT-Aufnahme linker Ellenbogen in 0,25 mm Schichten und dreidimensionaler Rekonstruktion (rechtfertigende Indikation, Frakturkontrolle): Radiushalsfraktur mit Einstauchung, keine Beteiligung der Gelenkfläche des Radiusköpfchens, Fraktur steht verhakt, regelrechte Gelenkstellung, keine begleitenden Frakturen


Priv.-Doz. Dr. J. Petermann
Main Medical Clinic GmbH
Am Neubergsweg 6
63868 Großwallstadt
mmc@main-medical-clinic.de

 

Literatur

Neubauer J, Benndorf M, Reidelbach C, Krauû T, Lampert F, Zajonc H, et al. (2016): Comparison of Diagnostic Accuracy of Radiation Dose-Equivalent Radiography, Multidetector Computed Tomography and Cone Beam Computed Tomography for Fractures of Adult Cadaveric Wrists. PLOS ONE 11(10): e0164859.

Koivisto J, Wolff J, Järnstedt J, Dastidar P, Kortesniemi M: Assessment of the effective dose in supine, prone, and oblique positions in the maxillofacial region using a novel combined extremity and maxillofacial CBCT scanner. Oral Surg Oral Med Oral Pathol Oral Radiol. 2014; 118(3):355-62.

Juha Koivisto, Timo Kiljunen, Jan Wolff, Mika Kortesniemi; Assessment of effective radiation dose of an extremity CBCT, MSCT and conventional X ray for knee area using MOSFET dosemeters. Radiat Prot Dosimetry 2013; 157 (4): 515-524.

Koivisto J, Kiljunen T, Kadesjö N, Shi XQ, Wolff J: Effective radiation dose of a MSCT, two CBCT and one conventional radiography device in the ankle region. Journal of Foot and Ankle Research (2015) 8:8.