Perspektive DVT – „Stellenwert der DVT in der traumatischen und posttraumatischen Kniediagnostik“

Lena Simmerl Allgemein, Publikationen


Perspektive DVT – Stellenwert der DVT in der traumatischen und posttraumatischen Kniediagnostik


Dr. med. Nedim Yücel | Orthopaedicum Coesfeld | Coesfeld 


Die tägliche orthopädische und unfallchirurgische Praxis verlangt eine flexible, schnelle und insbesondere in ihrem Informationsgehalt sichere Extremitätendiagnostik. Dieser, unter den behandelnden Orthopäden und Unfallchirurgen sicherlich unstrittige, Anspruch wird aber nun zunehmend durch den betroffenen Patienten formuliert, um eine zeitnahe private und berufliche Reintegration zu ermöglichen. Neben der Qualität der Diagnostik und ihrer zeitnahen Verfügbarkeit spielt auch die potentielle Reduktion der applizierten Strahlendosis eine wichtige Rolle. Grundsätzlich gilt das ALARA-Prinzip (ALow AReasonably Achievable). Diesem Prinzip folgt auch die aktuell gültige Gesetzgebung, formuliert im Strahlenschutzgesetz vom 27.6.2017 (§§ 8, 72 und 83). Eine ideale Bildgebung sollte eine hohe Bildqualität mit einer möglichst geringen Strahlenbelastung vereinen.


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Der digitale Volumentomograph (DVT; wissenschaftlich als Cone Beam CT bezeichnet) SCS MedSeries® H22 ist ein System, dass alle zuvor genannten Forderungen an eine Bildgebung in der Extremitätendiagnostik erfüllt sowie gleichzeitig mit vorliegender DVT-Fachkunde von Orthopäden und Unfallchirurgen eigenständig angewendet wird. Das SCS DVT findet derzeit an über 150 Praxisstandorten in Deutschland seinen täglichen Einsatz und ist durch seine Eigenschaften in der Orthopädie und Unfallchirurgie unverzichtbar geworden (1, 2, 3). Seit 2015 steht im Orthopaedicum Coesfeld ein solches Gerät zur differenzierten bildgebenden Diagnostik zur Verfügung. Im Folgenden werden die wesentlichen Eigenschaften des SCS DVT sowie die Erfahrungen in der Kniediagnostik traumatischer und orthopädischer Krankheitsbilder erörtert. 

Der DVT SCS MedSeries® H22 entspricht einer 3-D-Schnittbildgebung. Das System erzeugt auf einer zirkulären Bahn eine große Anzahl von Projektionsaufnahmen, aus welchen unmittelbar im Anschluss ein 3-D-Volumen des zu untersuchenden Körperteiles berechnet wird. Die Strahlenbelastung für den Patienten ist mit dem SCS DVT um bis zu 92% gegenüber der einer klassischen CT reduziert (4, 5, 6, 7) und kann unterhalb der des 2-D-Projektionsröntgen eingestellt werden (8). Somit kann das SCS MedSeries® H22, mit dem Strahlenschutzgesetz konform, auch als Primärdiagnostik angewendet werden.

Die Schnittbilder des SCS DVT zur Extremitätendiagnostik stehen dem behandelnden Orthopäden oder Unfallchirurgen innerhalb von 3 bis maximal 5 Minuten multiplanar zur Verfügung, wobei die reine Aufnahmedauer 18 Sekunden und die für eine Cone Beam CT erforderliche computergestützte Rekonstruktion ca. 40 Sekunden benötigt. Die Aufnahmen dürfen von dem Orthopäden und Unfallchirurgen mit vorliegender DVT-Fachkunde eigenständig oder durch das radiologische Assistenzpersonal mit 20-stündiger Weiterbildung auf Anweisung durchgeführt werden. Die DVT-Fachkunde wird von einem Orthopäden und Unfallchirurgen durch Teilnahme an einem 4 bis 8 Stunden (je nach Kursmodell) andauernden DVT-Spezialkurs sowie durch Absolvierung einer Hospitation zur Erlangung der DVT-Sachkunde erworben.

Zwei weitere wichtige Vorteile bietet das SCS MedSeries® H22. Zum einen ist eine isotrope Auflösung von 0,2 mm möglich, welche gerade in der Beurteilung diffiziler Knochen- und Gelenkstrukturen, wie dem Handwurzelbereich, von Vorteil sind. Zum anderen können mit dem SCS MedSeries® H22 im Gegensatz zum herkömmlichen CT im Bereich der unteren Extremität Aufnahmen unter Belastung erfolgen. In der therapeutischen Beurteilung einer partiellen Coalitio können somit wertvolle Informationen gewonnen werden. In der traumatischen und posttraumatischen Diagnostik des Kniegelenkes ergeben sich zahlreiche Indikationen für das SCS DVT. Haupteinsatzgebiet in der Traumatologie ist sicherlich die Beurteilung einer möglichen knöchernen Verletzung, die sich in der konventionellen Röntgendiagnostik nicht hinreichend darstellen lassen. Gerade in der Beurteilung der Hand- und Fußwurzelregion werden sonst übersehene Frakturen wie im Bereich des Kahnbeins sowie des Talus/Calcaneus sicher nachgewiesen. Aber auch in der Beurteilung der Fragmentstellung kann das SCS DVT wertvolle Informationen liefern zur Festlegung eines konservativen versus operativen Therapieverfahrens. Durch die hohe Bildauflösung können auch kleinste freie Gelenkkörper nachgewiesen werden. Im Rahmen der radiologischen Verlaufskontrollen bei konservativer wie operativer Frakturbehandlung kann mit dem SCS MedSeries® H22 die knöcherne Konsolidierung sicher beurteilt werden, was die weitere Therapieplanung erheblich vereinfacht und das Outcome verbessert. Weitere Indikationen für das SCS DVT im klinischen Alltag liegen in der sowie der präoperativen Planung (z.B. bei komplexen Fußdeformitäten). Die Untersuchung von Endoprothesen mit dem SCS DVT zur Lockerungsdiagnostik ist infolge der nahezu artefaktfreien Darstellung der Grenzflächen zwischen Knochen und Prothese ungehindert und multiplanar möglich. Auch in der Rheumatologie finden sich eine Reihe von Indikationen für das SCS DVT, bedingt durch seine sehr hohe Bildauflösung von 0,2 mm (z. B. Früharthritis).

Das SCS MedSeries® H22 ist in der Orthopädie und Unfallchirurgie zu einer unverzichtbaren Diagnostik mit sehr breitem Indikationsspektrum bei hoher Strahlenhygiene geworden. Orthopäden und Unfallchirurgen können das System nach Erwerb der DVT-Fachkunde eigenständig anwenden bzw. die Aufnahmen durch das radiologische Assistenzpersonal durchführen lassen. Innerhalb von maximal 5 Minuten stehen die mit 0,2 mm hochaufgelösten, multiplanaren Schnittbilder am Befundmonitor zur Verfügung, sodass der Patient nicht mit einer Überweisung zum Radiologen, sondern mit dem Therapieplan in den Händen die Praxis verlässt. Die hohe diagnostische Kompetenz bei gleichzeitig niedriger Strahlenbelastung, die unter der des 2-D-Röntgens eingestellt werden kann (8), ist ebenso von Vorteil wie die für den Patienten zeitnahe Verfügbarkeit. Neben den unbestrittenen medizinischen Vorteilen ermöglicht die DVT-Diagnostik (CBCT) mit dem SCS MedSeries® H22, bei einer Abrechnung nach GOÄ unter Anwendung der CT-Ziffern, eine hohe Wirtschaftlichkeit im alltäglichen Praxisablauf.




Fallbeispiele



Abbildung 1: Postoperative Kontrolle nach Bohrkanalauffüllung bei VKB-Transplantatinsuffizienz


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Abbildung 2: Laterale Tibiaplateaufraktur


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Abbildung 3: Knöcherner hinterer Kreuzbandausriss tibial


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Dr. med. Nedim Yücel
Orthopaedicum Coesfeld
Facharztzentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie
mit Schwerpunkt Hand-, Fuß- und Schulterchirurgie
Ambulantes Operieren
Durchgangsarzt
Dülmener Straße 60
48653 Coesfeld
www.orthopaedicum-coesfeld.de



Quellen:

(1) https://www.bvou.net/aus-der-diagnostischenkette-nicht-mehrwegzudenken/?parent_cat=;Bericht vom 24.09.2019

(2) J. Petermann: „Die digitale Volumentomographie – Fünf Jahre Erfahrung in einer unfall- und gelenkchirurgischen Praxis“, CHAZ, 9. Heft, Dr. R. Kaden Verlag, 2018

(3) T. Ebinger: „Digitale Volumentomographie-Diagnostik in der Handchirurgie“, CHAZ, 5. Heft, Dr. R. Kaden Verlag, 2019

(4) Prof. Dr. M. Fiebich: 360-Grad-Betrachtung der DVT in der O&U – Höchste Strahlenhygiene in der 3-D-Hochkontrast-Extremitäten-Diagnostik, Orthopädie und Unfallchirurgie – Mitteilungen und Nachrichten, Ausgabe 3/19, 2019

(5) Juha Koivisto, Timo Kiljunen, Jan Wolff, Mika Kortesniemi; Assessment of effective radiation dose of an extremity CBCT, MSCT and conventional X ray for knee area using MOSFET dosemeters. Radiat Prot Dosimetry 2013; 157 (4): 515–524. doi: 10.1093/rpd/nct162

(6) Juha Koivisto, Timo Kiljunen, Nils Kadesjö, Xie-Qi Shi and Jan Wolff: Effective radiation dose of a MSCT, two CBCT and one conventional radiography device in the ankle region, Journal of Foot and Ankle Research (2015) 8:8

(7) Juha Koivisto, Maureen van Eijnatten, Timo Kiljunen, Xie-Qi Shi, Jan Wolff; Effective Radiation Dose in the Wrist Resulting from a Radiographic Device, Two CBCT Devices and One MSCT Device: A Comparative Study, Radiation Protection Dosimetry, Volume 179, Issue 1, 1. April 2018, Pages 58–68

(8) Neubauer J, Benndorf M, Reidelbach C, Krauß T, Lampert F, et al. (2016) Comparison of Diagnostic Accuracy of Radiation Dose-Equivalent Radiography, Multidetector Computed Tomography and Cone Beam Computed Tomography for Fractures of Adult Cadaveric Wrists. PLOS ONE 11(10): e0164859. doi: 10.1371/journal.pone.0164859